Bruchwald-Plateau – Teil 2: 20 Jahre Hochmoor-Restitution durch die fraktale Brille gesehen

– 20 Years of Raised-Bog-Restitution as Patterns (Fractals) of Plant-Development –

Sphagnum molle

Sphagnum molle mit Rundblättrigem Sonnentau auf Beet 4n im Wolfsbrucher Moor (Juni 2007).

Abstract:
This is one of two posts describing and figuring out the physical shape of our area of research, including a quick view over zones of vegetation that have shown up as pioneers after peat-extraction and rewetting. We look at three subparts – different as to the shape and hydrology of the underground – to discover identical sequences of plant-sociations between Sphagna and vascular plants due to their specific preferences of habitat – especially their favored distance to water-level – but separated by different nutritional needs (see next posts).
Looked at the Kehdinger Moor as a whole there are several places of similar conditions as to the recovering of wetland-plants, so we choose to complete our biological point of view – represented by our Biologist Georg – by additionally looking at re-ocurring patterns of plant-development in accordance to physical and physiological conditions of their surroundings, summed up in the Concept of “Fraktale” and taken care of by Günther DeMoKi.
Our “Moorkieker” discloses growing amounts of evidence, that a small group of wetland-plants manage to reshape small- or medium-scale patterns of habitat-reconstruction (fractals) by associating to plant-communities of growing complexity from just being neighbours at the lot (synusia) up to the interwoven complexity of hummock-hollow-patterns building the acrotelm in productive peat-lands.
Unser Terrassen-Gebiet mit Pionier-Vegetation nach 15 Jahren der Wieder-Vernässung

Unser Terrassen-Gebiet mit Pionier-Vegetation nach 15 Jahren der Wieder-Vernässung.

Dieses  Luftbild von Land-map 2012 (c: G.Ramm) lässt erkennen, wie sich die Pioniervegetation im wieder vernässten Gelände von Senkenhang (rechte Bildhälfte) und in der oberen Mulde (links) eingerichtet hat. Gewässerpflanzen – erkennbar an den Binsenhorsten auf den dunklen Wasserflächen der Gräben – trennt niedrigere Partien ab von grasbewachsene Beetflächen – (mittelgrau mit dunkleren Punkten = Scheidiges Wollgras – helleres Grau = Pfeifengras). Trocken-Beete am oberen Senkenhang und die höheren Lagen einiger Beete zeigen Gehölzaufwuchs – Kiefern (dunkelgrün) oder Birken (mittelgrün). Die zur „Scheidung“  hin abgesenkten Beete 1 und 2 (linker Bildrand) tragen torfmoosreichen Birken-Bruchwald.

Auf den Stufen ansteigender Höhenlagen, die wir auf einer Extrakarte im vorherigen Beitrag dargestellt und beschrieben haben, zeigt unser Luftbild im Bilddrittel rechts oben die Abfolge von Gewässer, Grasflächen und Gehölzen in Ost-West-Richtung. Zwischen dem Wasserspiegel von Graben 15 und dem Kiefern tragenden Boden der Beete 11/12 hebt sich das Gelände hier um knapp 1 m; das Gefälle des Senkenhanges erreicht hier an die 10% unverändert im Verlauf der Wiedervernässung. In der Mulde wiederholt sich diese Vegetationsfolge gleich dreimal – hier aber im Anstieg von Süd nach Nord, wie die Karte mit den Höhenlinien erwarten lässt. Am deutlichsten zeigt sich diese Nordausrichtung oberhalb der Stauwehre G4s und G7s, wo jeweils ausgedehnte Grasbestände über 2 bis 3 Höhenlinien ansteigen bis zu den Gehölzgruppen am Nordrand der Beete 6 und 9 (Steigung 3 bis 4%, je nach Wasserstand im Muldenzentrum).

Am linken Bildrand verläuft der Aufstieg konsequenterweise von West nach Ost zwischen den Gräben entlang der Wasserscheide („Scheidung“) und dem Gehölzrücken auf Beet 4n/m. Hier – wie zwischen den Beeten 5 und 6 – erweitert Schwingrasen auf den von Schlenkenmoosen und Wollgräsern bewachsenen Gräben die ausgedehnten Grasflächen des Muldengrundes, der sich , zunehmend wahrnehmbar im Rhythmus der Mooratmung anhebt und absenkt, und diese Bewegung erreicht mit zunehmender Füllung immer höher gelegene Hangbereiche. Dabei nähert sich die Geländeneigung im Muldenzentrum der Waagerechten an mit einer Vegetationsschicht, die sich im Schnitt zwischen 10 und 25 cm über den Moorwasserstand erhebt oder als Schwingrasen ähnlichen Ausmaßes auf den Gräben schwimmt.

Wir beschreiben hier eine wiederkehrende Stufenfolge von drei Verbänden aus Torfmoosen und horstbildenden Gefäßpflanzen, die unverkennbar von den Höhenlagen und Absenkungen (dem Relief) ihres Standortes herrühren. Die Buckel, Senken und wellenförmig abgelagerten Sedimente von Elbe und Oste wirken an dieser Stelle, so lässt es die Karte mit den Höhenlinien erkennen, auf charakteristische Weise durchbrochen, so dass wir auf einen möglicherweise sehr alten Durchlass im natürlich aufgeschichteten Ufersediment schliessen dürfen. Diese vom Wasserstrom hinterlassenen Unebenheiten zeigen sich nun, nachdem der aufliegende Torf weitgehend abgebaut ist, in den fein abgestimmten Mustern der wiederkehrenden Moorvegetation.

An der langgestreckten Linie zwischen ehemaligem Elbufer und dem Rand des Kehdinger Moores treffen wir auf eine ganze Reihe vergleichbarer Durchbrüche mit typischen, strömungsbedingten Sedimentformationen, und sie sind in vielen Fällen wenig oder gar nicht nutzbar gemacht worden, somit besonders geeignet, die beschleunigte Wiederkehr der Moorvegetation zu begleiten. So bietet sich neben der biologisch-floristischen Sicht des Kollegen Georg an, die auffälligen Muster von rhythmischer Wiederkehr als ein weiteres Beispiel fraktaler Verschachtelungen zu verstehen und so den möglichen Übergang oder „Sprung“ zur Vegetation des Regenmoores unter einem weiteren Blickwinkel zu begleiten.

Wir beginnen unsere auf Fraktale gerichtete Betrachtung im westlichsten der oben unterschiedenen Abzugsareale, wo Wasserstau und Bodenanhebung den Birkenbruch mittlerweile bis nahe an die Muldenkante („Scheidung“) hat ansteigen lassen. In dieser „Wasserfalle“ sind die drei Vegetationsstufen – besonders die von Wasserpflanzen oder von Birken bewachsenen- erkennbar reichlich mit Nährstoffen versorgt (meso- bis eutroph); trotz der von Wasserzufluss und Torfmineralisation mobilisierten Nährstoffe hat sich dieser Westteil der Mulde zum Gebiet mit der höchsten Vielfalt und Dichte an Torfmoosen entwickelt und gilt bei uns als so etwas wie ein Laboratorium zum Studium von Bultbildung unter verschiedenen hydrologischen sowie auch trophologischen Bedingungen. Die fünf Fotos in unserem Willkommens-Post stammen alle von zwei Beeten dieses „Bruchwald-Plateaus“: von Beet 2 die Waldsphagnen, der Kugelbult und die Kreuzotter als Wächterin am Eingang der Mulde, dazu zwei Aspekte vom Bult-Ring III auf Beet 4 und damit nahe dem Anstieg zum Mulden-Zentrum; das mausert sich mehr und mehr zu einem „Bult-Schlenken-Plateau“ und verspricht dem Moorkieker Ausblicke auf Fraktale höheren Grades. Davon später mehr.

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