Bruchwald-Plateau – Teil 3: Torfmoosbulte als Moorfraktale im Quadratmetermaßstab

– Hummocks of Sphagnum as Patterns (Fractals) of Peat-producing Vegetation –

Sphagnum fallax

Sphagnum fallax im Wolfsbrucher Moor

Abstract:
In this and the next post we compare hummock-formation in an area rich of nutrients dominated by S. palustre climbing upward in Juncus effusus opposit to S. papillosum supported by tussocks of Pipegras and spreading to cover increasing parts of an area, where nutrients have been washed out by waterflow towards the nearby ditch.
A series of photographs taken between 2010 und 2014 show effects of Sphagnum-cover on growth and distribution of vascular plants – indicated especially by Betula pubescens (birch) – showing to be reduced in growth and leave-production.

Vegetational patterns (fractals) that replicate conditions of water-level plus availability of nutrients come to be visible in repeatedly occurring sequences of Sphagnum-species that inhabit preferred horizons related to water-level, beginning with floating species (S. cuspidatum) up to the top of the hummocks (S. papillosum).

Eine aus der Vegetation der Umgebung zusammengestellte Auswahl von Moosen und Gefäßpflanzen schafft sich in Gestalt der Torfmoosbulten einen moortypischen Baustein, in dem die Pflanzen ihre moorbiologischen Eigenschaften zusammenfügen und so die hydrologischen, trophologischen und floristischen Besonderheiten des weitergefassten Habitats auf den Maßstab eines Quadratmeters komprimieren oder „fraktalisieren“.

Kreisform und Ausmaße der Bulten ergeben sich aus der je besonderen Art, mit der sich Bultmoose wie auch horstbildende Gräser über Verzweigungen oder durch Ausläufer (vegetativ) in ihrer näheren Umgebung ausbreiten. Damit die Hochmoorbildner unter den Torfmoosen die für ihre Art optimale Höhe über dem Moorwasserspiegel ersteigen können, ist es zumindest am Beginn der Moorentwicklung für die Moose zwingend, den Aufwuchsort mit moortauglichen Gefäßpflanzen – vorzugsweise Gräsern oder Kleinsträuchern – zu teilen. Auf dem folgenden Foto ersteigt das nährstoffliebende Torfmoos S. palustre einen Horst der Flatterbinse und etabliert damit den Standort für eine Bultgesellschaft (Synusie) mit weiteren Torfmoosen solcher mesotropher Habitate.

    WBM MPW Kegelbult von S. palustre im Binsenhorst am Rand von Beet 2 und Graben 3.

WBM MPW Kegelbult von S. palustre im Binsenhorst am Rand von Beet 2 und Graben 3.

Den Grünsphagnen am Bultfuß – S. fimbriatum (gelbgrün gefasert) und S. fallax (mittelgrün im Teppich aus regelmäßig geformten „Köpfchen“) gesellen sich auf dem Bultdach vereinzelte Zweige der vielseitigen Bultart S. papillosum hinzu, die hier den Bultteil besetzt, der am wenigsten von den Nährstoffen aus dem mineralisierten Substrat her versorgt wird.

Das Warzige Torfmoos gilt uns als frühzeitiger Hinweis darauf, dass sich selbst in diesem mit Nährstoffen reichlich versorgten (eutrophen) Binsenbestand Nischen herausbilden, die den Torfbildnern unter den Moosen erlauben, Teile des Standortes in Richtung „basenarmes Niedermoor“ zu versauern.

Dieser Prozess der Nährstoffverknappung (Oligotrophikation) ist nach der Wiedervernässung der zweite wichtige Schritt auf dem Weg zur Wiederkehr von Pflanzengesellschaften des Regenmoores. Auch Eutropie-Zeiger wie Sumpftorfmoos und Flatterbinse helfen, die Rückkehr des Regenmoores vorzubereiten, und ihre gemeinsam etablierten Bulte dürfen als unverzichtbare „Trittsteine“ und verlässliche Anzeiger für diesen Habitatwandel angesehen werden.

Dass uns solche und andere Bulten als Fraktale ihrer Umgebung erscheinen, führen wir in erster Linie auf die arteigene Besonderheit zurück, mit der die verschiedenen Torfmoose im Bult wie auch im umgebenden Gelände den ihrer Art gemäßen Abstand zum Wasserspiegel einhalten. So wiederholt sich die Abfolge von den grünen Torfmoosen der Schlenken und Bultfüße zu den bunten Arten von Bultwand und Dach auch bei dem folgenden Beispiel vom östlichen Rand des Bruchwald-Plateaus (MPW). Dort am Rand von Beet 4m hat der Wasserabzug über den nahen Graben schon seit Beginn der Wiedervernässung lösliche Nährstoffe abtransportiert („ausgehagert“). Der Standort ist vergleichsweise trocken, und Gräser, Torfmoose und Ufergehölze haben eine Art von Uferwall aufwachsen lassen, der es den Bultarten unter den Torfmoosen erlaubt, große Anteile des Bultareals zu besiedeln. So sehen wir nach der „Kugel“ von S. palustre nun einen ausladenden „Kegel“ mit S. papillosum als dominanter Art.

WBM MPW Bult von S.papillosum auf Beet 4m, in Grabennähe G4 Nov.2010

WBM MPW Bult von S.papillosum auf Beet 4m, in Grabennähe G4 Nov.2010

Als zentrale Bultstütze dient hier wie bei allen unserer Papillosum-Bulte ein alles überragender Pfeifengrashorst, der den Kegel aus Torfmoosen aussehen lässt wie das flach geneigte Dach eines Zirkuszeltes. Den Bultrand säumt ein Ring aus S. palustre, auch hier wieder in hübsch anzusehendem Semmelbraun im Bildvordergrund Mitte und rechts etwas steiler abfallend.

Hinter dem Bult (rechts oben) reicht ein Teppich von S. fallax bis zum Wollgras-Ried, das zum Schwingrasen auf Graben 4 überleitet.

Die kräftigeren Birken am Bildrand oben links bewachsen den terrassenbildenen Damm zwischen Ober- und Untergraben von G4.Die Moosdecke dieses Bultes untersuchen wir in einem Extra-Post mit Fotos in mehrjährigem Abstand als Beispiel einer Moossynusie auf einem ausgehagerten Standort und als weiteren Beleg für die fraktalbildenden Wirkungen von Höhendifferenz zum Moorwasserstand verbunden mit knapper werden Nährstoffen, die sich uns daran zu erkennen geben, welche Deckungsgrade die unterschiedlich anspruchsvollen Torfmoosarten erreichen.

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