Bruchwald-Plateau – Teil 4: Nährstoff-Verknappung lässt uns fraktale Muster wieder erkennen

– Decreasing Nutrients help us rediscover Patterns of Hummock-Formation –

Drei Sphagnen-Arten stufen sich zu einem ersten Bult-Versuch (2002). Foto: Gehlken

Drei Sphagnen-Arten stufen sich zu einem ersten Bult-Versuch. (Foto: Gehlken, 2002)

Abstract:
In this one and the post before we compare hummock-formation in an area rich of nutrients dominated by S. palustre climbing upward in Juncus effusus opposit to S. papillosum supported by bulks of Pipegras and spreading to cover increasing parts of an area, where nutrients have been washed out by waterflow towards the nearby ditch.
A series of photographs taken between 2010 und 2014 show effects of Sphagnum-cover on growth and distribution of vascular plants – indicated especially by Betula pubescens (birch) – showing to be reduced in growth and leave-production.
Vegetational patterns (fractals) that replicate conditions of water-level plus availability of nutrients come to be visible in repeatedly ocuring sequences of Sphagnum-species that inhabit preferred horizons related to water-level, beginning with floating species (S. cuspidatum) up to the top of the hummocks (S. papillosum).

Looking forward to one of our next blogs we point out some features effected by hummock-shaping forces that appear to be enhanced in habitats located higher up towards the edge of the shallow basin (Mulde).

Seit dem Frühjahr 2012 ist der Senkenteil von Beet 4 für uns nur noch schwierig zu betreten; nicht so für den Rehbock, der in diesem Herbst 2014 die größere der Kiefern geschält und dabei unseren Bult-Ring III ziemlich platt getrampelt hat, wie das jüngste unserer Belegfotos weiter unten dokumentiert. Wir vertrauen auf die Torfmoose und ihren raschen Wiederaufbau und verfolgen die weitere Entwicklung vom trittfesten Damm im Graben 4, etwa von der Stelle, wo auf dem 2010er-Foto oben links auch das am dichtesten belaubte Birklein Halt findet.

Hinter dem Horst von Pfeifengras, der mit jährlich neuen Trieben die Bultspitze trägt, hat binnen drei Jahren eine Kiefer ebenso viele Stockwerke in die Höhe getrieben. Damit kontrastiert der immergrüne Nadelbaum besonders auffällig mit dem laubarm dahinsiechenden Nachwuchs der Moorbirken, denen unser Moorbiologe Georg gerne und unermüdlich bescheinigt, dass sie zu den verlässlichsten Zeigerarten gehören, denen wir unverzichtbare Hinweise auf Erfolg oder Misslingen unserer Bemühungen um die Wiederkehr der Pflanzen des Regenmoores verdanken. In dem Maße wie unsere als BultRing III registrierte Torfmoos-Synusie sich ausbreitet, zeigt die Jahresfolge der Fotos, wie die im Wachstum stagnierenden Bäumchen – mit dem Bultrand aus S. palustre nach aussen hin abgedrängt – vor dem heranwachsenden Moosberg aus S. papillosum zurückweichen. Anders als die Laubbäume, die den durch Mooskonkurrenz und Sommerhitze verursachten Wachstumsstopp in dieser Vegetationsperiode 2013 nicht mehr wettmachen können, werden die durch ihre Sommerbleiche („Albedo“) geschützten Moosköpfchen mit den ersten Regengüssen die Luft in ihren Hyalinzellen durch Wasser ersetzen, ihre übliche Färbung annehmen und bis zur Winterruhe weiter wachsen, falls sie nicht gestört werden, wie beim Besuch durch den Rehbock im Herbst 2014 beispielsweise.

Wenn man das mittlere der Portraits von BuRi III (2013) auf Bildschirmgröße klickt, zeigen sich wieder vier der bultbildenden Torfmoosarten in ihrem arttypischen Abstand zum Moorwasserspiegel – am deutlichsten  am Bulthang, der sich zum Graben (im Foto links unten) erkennbar steiler absenkt. Hinter dem Grün der Wollgräser ahnt man in der unteren linken Ecke die unregelmäßig gefransten Sterne des Schlenkenmooses S. cuspidatum, darüber finden sich kleine Partien von S. fallax und zur Bildmitte hin wieder ein steilerer Hang mit semmelbraunem S. palustre. Hellgrün gefärbt zeigen sich darüber die noch mit Wasser gefüllten Pflanzenteile der hier eindeutig dominanten Bultart S. papillosum, deren Mehrzahl sich im Trockenzustand der Albedo gegen Verdunstung geschützt hat. Mit der Abfolge der Moosarten erweist sich auch dieser Bult wieder als fraktale Spiegelung des Muldenplateaus, zu dessen höchstgelegenem Teil dieses Beet 4m gehört. Das zeigt sich zudem in den Anteilen, mit denen die Moosarten in der Oberflächendeckung des Bults vertreten sind. S. papillosum ist hier ähnlich überrepräsentiert wie es sich für S. palustre im Falle des Binsenbultes auf Beet 2n ergeben hat. Damit verweisen die beiden Bulte auf eine weitere Ebene fraktaler Verschachtelung, in der nach dem Wasserspiegel nunmehr die Nährstoffe und ihre Verfügbarkeit als bestimmendes Merkmal der Fraktalbildung erkennbar werden. Bult-Ring III firmiert somit unter fraktalen Aspekten in doppelter Hinsicht als hochgelegener Magerstandort, und das, obwohl sich dieser Platz in messbarer Hinsicht kaum von vielen anderen ufernahen Plätzen des gesamten Muldengrundes unterscheiden lässt.

Schauen wir also etwas genauer auf den Entwicklungshintergrund: BuRi III erhebt sich auf einem Uferabschnitt von Graben 4m, dessen stetiger Wasserstand diesen Böschungsteil seit Beginn der Wiedervernässung hat aushagern lassen. Diese vergleichsweise knappe Versorgung mit Nährstoffen lässt in der plateauüblichen Moossynusie auffällig häufig und verschiedenen Ortes die bultbildende Moosart S. papillosum zur Dominanz gelangen. Als eine der torfbildenen Arten unserer Küstenmoore erweist sich S. papillosum als höchst effektiv im Wettbewerb mit Gefäßpflanzen, die -wie Birke, Wollgras oder Pfeifengras – auch diesen Uferbereich als Pioniere der Renaturierung besetzt gehalten hatten. In einem künftigen Blog-Beitrag werden wir an einem Beispiel aus der Hanglage des Mittel-Plateaus (Beet 6n/m) untersuchen, wie die hier schon vorgestellten „Akteure“ dieses Wettbewerbs ihren Part spielen in einem Areal, in dem es weniger beständig und „behäbig“ zugeht, als auf dem weithin beruhigten weil randvoll angestauten „Bruchwald-Plateau-West“. Aus dem „Tidenhub“ der Mooratmung ergeben sich dort deutlichere Veränderungen der Kegelform, die wir auch in der hier vorgestellten Bildreihe angedeutet fanden, bis der Rehbock die größere Kiefer, den Bultkegel und unseren Traum von ungestörter Sumpf-Idylle platt gemacht hat.

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