Bult-Schlenken-Plateau – Teil 1: Vegetationswandel im Rhythmus periodisch wechselnder Niederschlagsmengen

– Change in Plant-Species following Patterns of Precipitation –

Sphag. papillosum und S. fallax bedrängen einen dichten Bestand von Pfeifengras

Sphag. papillosum und S. fallax bedrängen einen dichten Bestand von Pfeifengras (Foto: Gehlken, 2002) am Beginn einer ersten Bult-Entwicklung im Innenraum der Mulde. (Siehe auch: Gehlken, 2002 b)

Abstract:
In a series of pictures we follow the path of development taken by one of the first hummocks showing S. papillosum 2002 to appear  close to the watershed on bed 6n in the middle part (Hummok-Hollow-Plateau) of the area, restituted for reinundation and under our special observation for return of vegetational patterns that finally might initiate peatproductive processes as known from bogs.
The special features of this site turn out to be supportive to sphagnum growth and hummock formation with a high degree of concordance between the shifting amounts of precipitation and varying ratios between hollow-species prevailing during a period of wet years and hummockbuilding sphagna becoming dominant as soon as rainfall declines for some years in a row. Change of dominance among sphagna shows to be accompanied by according turnovers from pipegras to cottongras and back again.
As this lot of only a few squaremeters seems too small to support processes leading towards an endurable acrotelm and peatproduction, the place appears to be especially valuable for studies directed at findings about local (topografical) features, meterological varabilities, and development of vegetation that might lead towards ombrotrophic plant communities.
A very special but nonetheless promising detail leads our attention towards a close connection showing shifting amounts of rainfall (registered close to our site) as highly related to forecasts drawn from what since long time has been known as NAO (North Atlantic Oscillation) and is looked at as a source of periodic shifts between „atlantic/ocenanic“ (i.e. wet & warm) and „continental“ (dry & cold) weather conditions.In this part we focus on shifts to be observed during summer as indicated by growth and distribution of vegetation.
Further observations might disclose that rhythmic changes of more extended wavelength like such well-known phenomena as mire-breathing (Mooratmung) turn out to be triggered by the longterm (in terms of decades) changes between „atlantic“ and „“continental“ conditions as well. There is growing evidence, that the plants specialized on the conditions of coastal rain-mires (e.g. Sphag. papillosum, Erica tetralix) turn out to be well adapted to cope with the rhythmical changes of water supply and its impact on the habitats their community (Erico-Sphagnetum-papillosi) is bound to reconquer. Our next post (Hummock-Hollow-Plateau, Part 2) is planned to cover an area located further down the basins slope focussing at changing habitat conditions as determinated by conditions applied through the winter season.

Feuchter Start im Schlenken-Modus (2002 – 2009)

Feucht- und Trocken-Perioden im Zeitraum der Bultentwicklung

Feucht- und Trocken-Perioden im Zeitraum der Bultentwicklung

Fotofolge und Diagramm der Regenmengen verweisen die bisher gezeigte Entwicklungsreihe in eine Periode mit überdurchschnittlich reichen Niederschlägen, und die merkwürdigen „Einbrüche“ auf dem letztgezeigten Foto von 2009 mögen frühzeitige Anzeichen darauf sein, dass der über Jahre hin überschüssige Regen ausgeblieben ist. Bevor wir diesen Wendepunkt genauer betrachten, eröffnen wir eine Galerie mit Bultfotos der „Trockenjahre“ seit 2009.

Wie begegnen die Moorpflanzen der Trockenperiode?

Hier nahe der Wasserscheide ändert sich die Vegetation aus Gräsern und Torfmoosen binnen Jahresfrist, wenn die Schlenken trocken fallen, weil übers Jahr hin weniger Regen gefallen und dabei besonders die sommerlichen Regengüsse ausgeblieben sind. In tieferen Lagen der Mulde puffert über Jahre hin aufgestautes Wasser solche Schwankungen weitgehend ab; die Bulte auf dem niedriger gelegenen Bruchwald-Plateau (siehe unsere Beiträge „Bruchwald-Plateau: Teil 1-4“) überstehen solche Trockenperioden, ohne dass sich die Grasarten quasi komplett auswechseln und ein zuvor (2009) aspektprägendes Torfmoos wie Sphag. fallax binnen Jahresfrist so gut wie verschwunden ist.

Was bewegt die Bult-Schlenken-Schaukel?

Jährliche Regenmengen (mm) und NAO (Index) im Raster der Niederschläge optisch verbunden.

Jährliche Regenmengen (mm) und NAO (Index) im Raster der Niederschläge optisch verbunden.

Den rhythmischen Wechsel zwischen Serien von feuchten bzw. trockenen Sommern bringt unser Diagramm der im Wolfsbruch gemessenen Regenmengen in Zusammenhang mit einem Pulsgeber, den die Metereologen seit mehr als hundert Jahren als Nordatlantische Oszillation (NAO) erforschen. Ihre Statistik zur Druck-Differenz zwischen Azorenhoch und Islandtief erweist sich seither als aussagekräftige Datenbasis für die Periodik des Wettergeschehens in den Küstenregionen von Nordamerika und Nordwesteuropa. Wir haben guten Grund anzunehmen, dass hinter unserer vom periodischen Wechsel der Regenmengen betriebenen Bult-Schlenken-Schaukel längerfristige Wetter-Rhythmen wirksam werden, die den Küstenmooren zu ihrer Entwicklungsdynamik verhelfen und ihre floristische Charakteristik mitbestimmen.

Wo geht es weiter?

Nach diesem ersten Blick auf eine Reihe von Jahren sommerlicher Entwicklung einer Bult-Schlenken-Gesellschaft auf Höhe der Wasserscheide rücken wir in den Folgebeiträgen den Muldenhang abwärts, wo Wasseranstau und Mooratmung kurzfristige Wetterkapriolen ausgleichen, wo sich aber die Anzeichen mehren, dass Wetterereignisse des Winterhalbjahres die Entwicklung der Bult-Schlenken-Gesellschaften maßgeblich beeinflussen.

Schmelzwasserstau im Schlenkenzug auf Beet 6m (Mai 2013)

Schmelzwasserstau im Schlenkenzug auf Beet 6m (Mai 2013)

Nach dem NAO-Sommer-Index dieses Beitrages werden wir im nächsten Teil die Daten des nordatlantischen Winters als mögliche Quelle für die Entwicklung der Moorvegetation in den Blick nehmen. Auch wenn an dem hier untersuchten Bult-Standort weder Schlenken- noch Bultmoose bislang Anzeichen nachhaltiger Torfbildung haben erkennen lassen, gibt uns die Entwicklung im Umfeld nahe der Wasserscheide einige gewichtige Hinweise darauf, dass sich die lokale Vegetation hier besonders deutlich erkennbar unter Bedingungen entwickelt, die für Regenmoore charakteristisch sind und die letztendlich „Hochmoore“ hervorbringen, wenn denn die beteiligten Pflanzen – insbesondere die Torfbildner unter den Sphagnen – begonnen haben, mehr Pflanzenreste abzulagern als im Bult-Schlenken-Verbund aufgezehrt oder in gelöster Form abtransportiert werden.

Dieser Umschlagpunkt hat für uns die Qualität eines Paradigmenwechsels und läßt uns Entwicklungen wie auf dem Foto von Beet 6m abgebildet besonders aufmerksam verfolgen. Mehr davon im nächsten Beitrag.

Ein Gedanke zu “Bult-Schlenken-Plateau – Teil 1: Vegetationswandel im Rhythmus periodisch wechselnder Niederschlagsmengen

  1. Beim ersten Einzelfoto ist die Verkleinerung ohne Nachteil zu verkraften, beim unteren müssen wir darauf setzen, dass unsere Gäste die Schritte zur Vergrößerung mitgehen.
    Das gilt auch für das untere Diagram, hinter dem jetzt eine Erläuterung (wichtig! – wichtig! ) steckt, wie die beiden Datensätze der y-Achsen verbunden/getrennt sein wollen. Und wieder ein großes Dankeschön den Providern in Houston und an unsere CEO-Admina, die diesen Schatzkeller aufgeschlossen hat.
    Mit besten Empfehlungen
    DeMoKi

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